Greifen ihre Reifen?
Welches Teil des Autos ist das wichtigste? Diese Frage kann so einfach nicht beantwortet werden. Zu viele sind wichtig.
Entscheidend aber sind zwei: Bremsen und Reifen. Und gerade die werden oft strapaziert. Wir beschäftigen uns mit den Reifen und zwar deshalb, weil Sie selbst eine Menge zum Erhalt und für die Sicherheit tun können. Vieles davon werden Sie wissen, manches aber vielleicht noch nicht. Also nehmen Sie sich bitte ein paar Minuten Zeit zur Lektüre dieses Informationsblattes. Es zahlt sich aus.
1. Legen Sie Wert auf Profil?
Abgefahrene Reifen werden mit Nässe, Glätte oder Schneematsch nicht mehr fertig. Indikatoren in den Längsrillen der Streifen alarmieren den Fahrer. Sie erscheinen dort als Querstege spätestens, wenn das Profil auf 1,6 mm geschrumpft ist. Sie sollten aber nicht so lange warten, sondern um der Sicherheit die Reifen Ihres Autos schon etwas früher wechseln und vor allem auch immer kontrollieren.
- Bei Sommerreifen ist der Austausch fällig, wenn das Profil bis auf 2 mm abgefahren ist. Bei Breitreifen sollten 3 mm als Untergrenze gelten.
- Winterreifen verlieren ihre Wirkung schon dann, wenn nur noch 4 mm Restprofil vorhanden sind. Unbedingt austauschen.
2. Achten Sie immer auf den richtigen Reifendruck?
Wenn Ihnen die Puste ausgeht, machen Sie schlapp.
Das gleiche gilt für die Reifen: Wenn der richtige Luftdruck fehlt, geht der Kontakt zur Straße verloren.
Die Lebensdauer des Reifens verringert sich, denn die innere Zerstörung geht schneller voran. Außerdem nimmt der Kraftstoffverbrauch zu.
Man kann es deshalb gar nicht oft genug betonen: Schauen Sie öfter nach Ihren Reifen und überprüfen Sie an der Tankstelle den Luftdruck.
- Der richtige Luftdruck ist das A und O. Er steht in der Betriebsanleitung Ihres Autos. Denken Sie aber daran, dass er je nach Auslastung, Geschwindigkeit und Reifentyp verschieden sein kann. Fragen Sie im Zweifelsfall einen Fachmann.
- Prüfen Sie regelmäßig alle drei bis vier Wochen den Luftdruck. Die Betonung bei dem Wort "regelmäßig". Wenn man bereits deutlich sieht, dass Luft fehlt, hat man zu lange gewartet. Der Luftdruck muss immer im kalten Zustand der Reifen geprüft werden – nach einer langen Fahrt mit hoher Geschwindigkeit wären die Angaben nicht korrekt.
- Schrauben Sie die Ventilkappen fest auf. Ersetzen Sie die verlorengegangenen Kappen sofort, ansonsten werden die Ventile verschmutzt und undicht.
- Vergessen Sie das Reserverad nicht. Auch hier sollte der Luftdruck regelmäßig geprüft werden, sonst gibt es bei einer Panne eine ärgerliche Überraschung. Grundsätzlich sollte man in den Reservereifen ca. 0,5 bar mehr Luft einfüllen.
3. Wann haben Sie Ihre Reifen zum letzten Mal angeschaut?
Moderne Reifen sind zwar als High-Tech-Produkte belastbar, aber sie sind natürlich nicht gegen jede Beschädigung geschützt. Es kommt dann leicht zu allmählichem Luftverlust, zum Anrosten der Stahldrähte im Gürtel oder gar zum Ablösen der Lauffläche. Und das kann – vor allem bei hohen Geschwindigkeiten – gefährlich werden.
Deshalb sollten Sie den Aufwand nicht scheuen, Ihre Reifen von Zeit zu Zeit genau anzusehen oder durch einen Fachmann ansehen zu lassen. Verdächtige Zeichen sind Schnitte, Risse, Beulen oder herausgebrochene Profilstücke. Natürlich auch eingedrungene Fremdkörper wie etwa Nägel. Denken Sie bei der Kontrolle auch daran, dass der Reifen eine innenliegende Seite hat, die Sie selbst nur mit Mühe inspizieren können. Fragen Sie lieber den Reifenfachmann, der Ihnen sagen kann, ob ein sofortiger Austausch notwendig ist oder nicht.
Sehr häufig kann man unregelmäßige Abnutzung der Laufflächen beobachten. Das ist immer ein Alarmsignal. Die Ursachen dafür liegen meist bei der Radaufhängung oder bei der Lenkung. Aber auch die Bremsen oder eine Unwucht des Rades können eine solche Erscheinung auslösen. Führen Sie Ihren Wagen in solchen Fällen sofort einem Fachmann vor. Wird nämlich die Ursache nicht behoben, sind auch die neuen Reifen schon bald wieder kaputt.
4. Richtige Lagerung der Reifen.
Werden Reifen achtlos in irgendeiner Ecke abgestellt, kann das ihr vorzeitiges "Aus" bedeuten.
Richtig machen Sie es so:
- Vor dem Abnehmen der Reifen die Laufrichtung und die Position markieren (VR = vorne rechts, VL = vorne links, HR = hinten rechts, HL = hinten links).
- Splittreste aus den Profilrillen entfernen.
- Einen trockenen, kühlen und dunklen Lagerraum wählen. Benzin, Öl, Fett oder Chemikalien von den Reifen fernhalten.
- Reifen auf Felgen liegend stapeln – am besten auf einer flachen Holzpalette. Reifen ohne Felgen senkrecht stellen und von Zeit zu Zeit drehen.
5. Mit dem Tempo maßhalten.
Überhöhtes Tempo vertragen die Reifen nicht, vor allen Dingen bei sommerlichen Temperaturen. Immer quittieren sie solche Misshandlungen mit mehr Abrieb und manchmal sogar mit einem jähen Kollaps. Machen Sie sich deshalb bezüglich Ihrer Reifen – insbesondere der Anhänger- und Winterreifen – ein paar einfache Regeln zur Gewohnheit.
- Fahren Sie nie Höchstgeschwindigkeit, wenn Ihr Auto als Lastesel herhalten muss – also etwa bei der Reise in den Urlaub mit zusätzlicher Dachlast und eventuell sogar einem Anhänger.
- Eine grundsätzliche Empfehlung: Bei häufigen Autobahnfahrten mit hohem Tempo ist es besser, die Reifen um eine Geschwindigkeitsklasse höher zu wählen, als es der Fahrzeugschein verlangt.
- Überschreiten Sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit Ihrer Bereifung nicht. Bleiben Sie an heißen Tagen lieber einige Kilometer darunter. Achtung: Anhänger sind manchmal nur bis zu 80 km/h ausgelegt. Das gilt vor allem für ältere Modelle. Anhänger, die nach 1989 in den Verkehr gekommen sind, müssen für 100 km/h ausgelegt sein. Bei Winterreifen liegt das Geschwindigkeitslimit in der Regel bei 160 km/h, 190 km/h oder 210 km/h.
6. Laden, aber nicht überladen.
Maßhalten gilt nicht nur für das Tempo, sondern auch beim beladen Ihres Autos. Natürlich braucht man im Urlaub viel Gepäck und natürlich erlaubt der Fahrzeugschein ja auch eine bestimmte höchstzulässige Belastung. Seien Sie aber trotzdem dabei sensibel und gehen Sie nicht in jedem Fall bis an die vorgeschriebenen Grenzen. Ein überlastetes Auto verändert sein Fahrverhalten, bietet – wenn viel Gepäck auf dem Dach aufgetürmt wurde – dem gefährlichen Seitenwind eine größere Angriffsfläche und überfordert die Bremsen. Die Reifen sind beim Überladen die Leidtragenden. Bleiben Sie also unbedingt im Rahmen des zulässigen Gesamtgewichts. Denken Sie daran, dass man sich leicht verschätzt und wiegen Sie notfalls Ihre Zuladung ab. Rechnen Sie auch einen eventuellen Dachgepäckträger mit ein. Dies gilt für jede Type Auto.
7. Der Randstein ist für Reifen oft der Stein des Anstoßes
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Wie wir eben schon gesagt haben: Moderne Reifen halten eine Menge aus. Aber eben doch nicht alles. Der Randstein ist der Feind Nr. 1 Ihrer Reifen. Harte Kontakte mit ihm schädigen die Reifenstruktur und schaffen die Voraussetzungen für spätere Laufflächenablösungen oder gar für die gefürchteten Platzer. Wem das irgendwann einmal auf der Autobahn bei hoher Geschwindigkeit passiert ist, wird sich künftig sicher gerne an zwei einfache Regeln im Umgang mit Radsteinen halten:
- Beim Einparken lieber noch ein- oder zweimal nachkorrigieren als mit der Reifenflanke am Randstein entlang zu schrammen.
- Wenn der Randstein oder eine Schwelle überrollt werden muss, dann nur ganz langsam und möglichst rechtwinkelig.
8. Glauben Sie an das ewige Leben?
Für jeden Reifen gilt: seine Lebensdauer ist nach sechs bis acht Jahren zu Ende. Selbst wenn er noch tadellos aussieht oder kaum benutzt wurde. Warum? Weil die Gummimischung mit der Zeit altert.
Hohe Temperaturen und Sonnenlicht beschleunigen den Alterungsprozess. Vor allem im Sommer in südlichen Ländern ist es deshalb sinnvoll, die Reifen von länger abgestellten Autos und Caravans durch Abdecken zu schützen. Nach schnellen Autobahnfahrten empfiehlt sich eine Wärmeprüfung. Ist der Reifen in Ordnung, wird er höchstens gut handwarm sein. Fühlt er sich dagegen überhitzt an, müssen Sie unbedingt den Grund dafür feststellen. Entweder ist hier der Luftdruck zu niedrig oder eine langsame Zerstörung von Gürtel und Unterbau kündigt sich an.
9. Können Sie magische Formeln entschlüsseln?
Um beim Reifenwechsel sicher zu gehen, sollten Sie wissen, was die geheimnisvollen Zahlen an der Flanke bedeuten.
Doch zunächst einmal: Welche Reifen überhaupt an Ihrem Auto verwendet werden dürfen, entnehmen Sie Ihrem Fahrzeugschein, Ziffer 20 bis 23 (eventuelle Zusatzerläuterungen unter Ziffer 33). Sofern die Maße und die Bauart der Pneus mit diesen Vorgaben übereinstimmen, sind auch Reifen einer höheren Geschwindigkeits- oder Tragfähigkeitsklasse erlaubt.
Hier ein Beispiel für die Bezeichnung von Reifen nach der heute gültigen Europa-Norm: 195/65 R 14 89 H
Die einzelnen Zahlen bedeuten:
195: Das ist die Breite des Reifens in mm.
65: Das Höhen-/Breitenverhältnis des Pneus.
R: Die Bauart "Radialreifen".
14: Der Felgendurchmesser in Zoll.
89: Die Tragfähigkeit (hier 580 kg).
H: Die Geschwindigkeitsklasse (hier bis 210 km/h)
Allerdings nach der alten, bis Ende 1989 gültigen Norm hätte bei dem beschriebenen Reifen die Kennzeichnung 195/65 HR 14 ausgereicht.
Um Sie vor einer weiteren Komplizierung und Verwirrung zu bewahren: mit dem Übergang von "alt" auf "neu" ändern sich auch die Reifenangaben in den Fahrzeugpapieren. Fragen Sie also vorsichtshalber Ihren Fachhändler oder den TÜV, wenn Sie bei einem Reifenwechsel oder dem Umsteigen auf einen anderen Reifentyp Zweifel haben. Auch hier wieder einige grundsätzliche Empfehlungen:
- Beim Reifenwechsel ist es immer richtig, den gesamten Satz auszutauschen.
- Von einem Mix verschiedener Reifenprofile ist dringend abzuraten. Ebenso von Reifen mit unterschiedlichen Profiltiefen an der gleichen Achse.
- Mix verschiedener Bauarten (Diagonal- oder Radialreifen) ist verboten!
10. Wissen Sie alles über Winterreifenmontage?
Wer in der kalten Jahreszeit bei jedem Wetter gut durchkommen will, sollte auf M&S-Reifen umsteigen. Besonders im Vergleich zu Hochgeschwindigkeitsreifen und Sommerbreitreifen bringen sie weitaus mehr Sicherheit auf Schnee und Eis. Für die Montage der Winterreifen sind folgende Regeln wichtig:
- Montieren Sie M&S-Reifen auf alle Räder – und nicht nur auf eine Achse. Sie erleichtern sich das Leben, wenn Sie vier komplette Räder, also Felgen plus Reifen kaufen – Montage und Lagerung werden dadurch entscheidend vereinfacht.
- Nach jedem Wechsel müssen die Räder neu ausgewuchtet werden. Der Luftdruck ist bei Winterreifen um 0,2 bar zu erhöhen.
- Wenn die Höchstgeschwindigkeit Ihrer Winterreifen unter der Höchstgeschwindigkeit Ihres Autos liegt, müssen Sie einen Aufkleber im Blickfeld anbringen.